Halt endlich deinen Mund, sonst kannst du was erleben. Mach nicht so ein Theater. Führ dich doch nicht so auf. Mein Hang jemanden nachzumachen, zu imitieren, jemanden nachzuäffen und zur Schau zu stellen, jemanden vorzuführen und zu blamieren, ist jenem unterdrückten Schrei geschuldet, der sich nicht verstummen kann, der sich nicht fangen lässt, der sich nur selber unterdrücken lässt, gegen die Demütigungen eines Kindes, das sich nicht helfen kann, sich selbst nicht einmal wehren darf. Das bildest du dir doch nur ein?! Dass ich mich nicht mehr wehren wollte. Das habe ich endlich gemerkt. Ich wollte ihre Demütigungen fortan verleugnen und verschweigen. Sei endlich still. So äffte ich mich nach. So wie ich sie nachäffte. Sie imitierten mein Geschrei und meine Tränen und mein Weinen. So machten sie mich nach. Und ich verlor fast völlig den Verstand. Endlich begreife ich, ich konnte mich nicht wehren gegen die Niedertracht und die Gewalt. Was hast du denn? Was schaust du uns so an? Um die Verspottung meiner Tränen, darum geht es die ganze Zeit. Und wie entwürdigend das war. Bestraft zu werden vor den anderen, darauf kam es dem Vater ganz besonders an. Dass er mich öffentlich bestrafte, gut sichtbar hinstellte, verwundbar und wehrlos. Was bildest du dir ein? Dass ich entwürdigt sein sollte. Das bildest du dir ein? Werd nur nicht frech. Endlich begreife ich den Unterschied zwischen der Selbstdarstellung und der Entwürdigung. Er hatte mich entwürdigt. Das hat er mir vom ersten Tag an angetan. Er hatte mich entwürdigt. Das bildest du dir ein. Ich habe nichts gespielt. Ich hab mir das nicht eingebildet. Ich war kein Schauspieler und kein Schausteller. Was bildest du dir ein? Er stahl mir nicht die Show. Er führte mich nur vor. Ich hab schließlich gedacht, dass jede Art Darstellung, dass jede Art von Selbstdarstellung entwürdigend im Grunde sei. Dass ich mich selbst entwürdige, wenn ich was von mir darstelle. Dass ich mich selbst entwürdige, wann immer ich mir eine Blöße geben würde, wann immer ich etwas von mir, von dem, was in mir ist und in mir vorgeht, nach außen tragen würde. Was ich als Kind schließlich vor allem spürte, war Angst vor der Entwürdigung. Vor was hat dieses Kind nur eine solche Angst? Das beschuldigte Kind im Spiegel seiner Verachtung Mein Vater konnte nicht ertragen, dass ich etwas zu sagen hatte, dass ich geradezu doch stolz auf mich und mein Gefühl sein wollte. Das konnte Vater nicht ertragen, dass jemand stolz ist auf sich selbst, ohne dafür büßen zu müssen. Gleich fällt der Watschnbaum um! Ich sollte mich nicht stolz und gut fühlen. Ach daher weht der Wind. Ich konnte mich gegen die Bloßstellung und die Zurschaustellung nicht wehren. Ich lieg im Bett und bin vollkommen zugeknöpft und Mutter redet unaufhörlich auf mich ein. Ich konnte mich gegen die Zumutungen als Kind nicht wehren. Was hast du denn? Endlich begreife ich die Wachsamkeit, dass sie nicht schlecht gewesen ist, dass ich mich dafür doch nicht schämen hätte müssen. Die ich verstörend dann empfand, nur immer wachsam sein zu müssen. Scheinbar nur wachsam sein zu können. Was schreist du denn? Was ist denn mit dir los? Du musst doch vor uns keine Angst bekommen. Wer wird denn jetzt gleich wieder böse? Was regst du dich denn so dermaßen auf? Ich musste mich für meine Vorsicht schämen. Was schreist du denn? Was schreist du denn herum? Du hast doch alles, was du brauchst. Dass ich das doch erkennen und mir merken kann, dass ich das also doch verlangen kann, dass mich die Eltern nicht anschreien. Dass ich das doch verlangen kann, begreife ich endlich. Dass ich mir das doch wünschen kann, dass meine Mutter und mein Vater mich nicht entwürdigen. Was fällt dir ein! In Worte kleiden, was ich erfahren habe. Ich musste mich ergeben und mir merken, dass etwas nicht leicht gehen kann. Weil alles Leichte, Kindliche, Besinnliche und Eigene, weil alles Zärtliche, doch immer nur entwürdigt worden war. Weil all das Leichte, Schwache und Unschuldige, untragbar für den Vater und die Mutter waren. Weil alles nur untragbar für die beiden war, was mir vom Herzen ging und aus der Seele sprang und sprach, was mir mein Körper sagen konnte. Was bildest du dir ein? Unschuld an sich wurde bestraft, entstellt, entwürdigt und zur Sau gemacht, nur bloßgestellt. Auf was willst du hinaus? Was schaust du mich so an? Der Schrei an sich. Es kam nie etwas anderes nach der Entwürdigung. Es kam nie auf etwas anderes an. Es kam nie etwas anderes auf. Es kam nur die Entwürdigung und dann gar nichts. Endlich begreife ich, auf was ich wartete. Hau ab. Verschwinde endlich. Geh in dein Zimmer. Auf was wartest du denn noch. Auf eine Falle, einen Hinterhalt, auf eine abschließende Geste, Strafmaßnahme. Auf eine abschließende Strafe. Auf eine letzte Hinterhältigkeit. Auf Vaters nächste Hinterhältigkeit hab ich mein Leben lang gewartet. Auf die Verachtung. Was hast du denn? Was ist denn mit dir los? Was bildest du dir ein? Endlich begreife ich Entwürdigung. Er hatte meine Angst vor ihm an jedem Tag entwürdigt und verachtet. Das bildest du dir ein? Indem er meine Angst heraufbeschworen hatte und mir dann immer wieder sagte und bedeutete, ich müsste doch gar keine Angst vor ihm haben. Ich sollte keine Angst vor ihm haben. Gar keine Angst soll ich vor meinem Vater haben. Obwohl er sie heraufbeschworen hat. Die eigene Hinterhältigkeit fällt mir jetzt endlich auf; die ist mir endlich aufgegangen. Was bildest du dir ein? Endlich begreife ich, ich konnte seine Hinterhältigkeit als Kind gar nicht begreifen. Ich konnte doch als Kind gar nicht begreifen, dass Vater hinterhältig war. Ich hatte doch gar keine Ahnung von der Hinterhältigkeit. Ich hatte keinerlei Begriff davon und wie sie ihn antrieb, antreiben hatte können, mir immer wieder hinterhältig zu begegnen, mit Hinterhältigkeit mir weh zu tun. Dass meinen Vater doch im Grunde nur die Hinterhältigkeit antrieb; der unterdrückte Hass. Vor was hat dieser Junge nur so eine Angst. Vor der Verachtung. Am Leichenschauhaus damals. Die Angst vor einem letzten Hinterhalt. Dass niemand mich mehr sieht. Dass ich vergessen bin in einem Hinterhalt und ganz allein, so wie der tote Junge. Im toten Winkel. Tödlicher Hinterhalt. Dass Vater mich erwischt und irgendwann wegräumt. Dass er mich irgendwann in einen solchen Hinterhalt tatsächlich locken wird, wenn ich noch einmal schreie. Was bildest du dir ein? Ich musste erst mit meiner eigenen Hinterhältigkeit herausrücken; damit aufräumen. Ich musste erst den eigenen Hass aufspüren und ausdrücken. Ich musste erst damit herausrücken, was für ein Hass in mir verborgen war. Die Würdigung Aus Angst vor der Entwürdigung hab ich mich schließlich aufgegeben. Aus Angst vor der Entwürdigung wurde ich schließlich hinterhältig wie meine Mutter und mein Vater. Die Hinterhältigkeit der Eltern hatte mir schließlich so Angst gemacht, dass ich an gar nichts anderes mehr denken hatte können, als an den Stillstand der Gefühle. Was bildest du dir ein? Gleich kommt der Schwarze Mann. Sei endlich still. Was fällt dir ein? Was habe ich gelernt? Was habe ich mir schließlich eingebildet? Dass nur Entwürdigung der Tränen und der Wut mir Linderung verschaffen kann. Dass nur Stillhalten und lautloses Ertragen die Schmerzen lindern kann. Nichts sagen und nicht länger weinen. Dass nur die Abschaffung der Seele, der Wut und meiner Tränen mich heilen kann; nichts sonst. Endlich begreife ich, das Falsche habe ich gelernt, das Falsche habe ich mir eingebildet. Als Folge des entwürdigenden Verhaltens meiner Eltern. Deswegen habe ich mir eingebildet, ich müsste doch nur still sein und stillhalten, wenn mir etwas passiert und zustößt, wenn mir was fehlen würde. Was willst du uns nur sagen?! Am Leichenschauhaus damals. Wie grauenhaft und furchterregend das für ein Kind ist, entwürdigenden Menschen ausgeliefert sein zu müssen. Das bildest du dir alles doch nur ein? Ich sollte mich nicht würdig zeigen können, nicht einmal für mich selbst. Ich konnte mich nicht wertvoll äußern. Was fällt dir ein!? Ich sollte mich unwürdig zeigen und erweisen. Gleich kommt der Schwarze Mann. Ich konnte mich nicht wertvoll, nicht meiner würdig zeigen. Ich konnte mich nicht würdigen. Endlich begreife ich, ich konnte mich und sollte mich nicht einmal meiner selber würdig zeigen und erweisen können. Ich sollte mich nur für mich schämen. Ich sollte mich nicht würdig zeigen. Was fällt dir ein? Ich sollte mir ja wirklich gar nichts wert sein. Was bildest du dir ein? Das glaubst du doch wohl selber nicht. Nur mehr Verachtung konnte ich verfolgen. Nur mehr Verachtung meines eigenen inneren Monologs. Kein Wertgefühl sollte sich mir erschließen. Nur Folge leisten sollte ich der Verachtung und Entwürdigung. Nur der Entwertung meiner Würde durch die Eltern sollte ich Folge leisten. Befolgen und mich meiner schämen, wenn ich den Tränen näher kam, wenn ich die Wut und meinen Zorn aufkommen spürte, mich schließlich selber lenken und ablenken, wegführen von der Wut. Das bildest du dir ein. Ich sollte nicht mal davon träumen, wenn mir was fehlte, dass ich das ändern kann. Ich durfte nicht mal meinen Hunger träumen und wegräumen und mich davon erlösen. Ich durfte nicht mal davon träumen meinen Hunger nach Gefühlen selbst zu stillen. Das bildest du dir ein? Ich durfte meinen Hunger nicht weg träumen. Dass ich mich um mich selber kümmern kann mit meinen Tränen und der Wut. Ich sollte nicht mal davon träumen, dass ich mir doch vorstellen kann, mich doch nicht aufzugeben. Ich sollte mir das nicht vorstellen. Das bildest du dir ein. Endlich begreife ich, was meine Träume träumten, von meiner Würdigung der Wut und meiner Tränen. Das bildest du dir ein! Nur meine Träume hatten eine Ahnung und Vorstellung von meiner Wut als Kind gehabt und für mich aufgehoben. Für mich bewahrt. Nur meine Wut konnte mir eine Ahnung und Vorstellung liefern von meiner Würde und dem wahren Selbst, vor der Entwürdigung durch meine Eltern. Nur meine Wut konnte mir eine Vorstellung von meiner Unschuld geben, als ich ein kleines Kind gewesen war. Jetzt kommt der Schwarze Mann! Ich musste als Kind immer Angst haben, dass Vater kommt und mir ein Bein ausreißt. Er riss ja ständig an mir rum, damit ich endlich Ruhe geben würde. Er riss ja unaufhörlich an mir rum. Er riss ja an mir rum, weil ich nicht aufhören wollte zu weinen und zu schreien. Er riss ja unaufhörlich an mir rum. Er riss an mir herum, diese verdammte Drecksau. Er riss an mir herum, bis ich aufhörte so zu weinen. Er riss an mir herum. Meine Verzweiflung in den Träumen vom hin und hergerissen sein, vom hin und hergerissen werden und versäumen, weil niemand auf mich wartet und niemand auf mich hört und Züge einfach starten oder weg sind, Flüge gestrichen, annulliert, weil niemand auf mich acht gibt, auf mich und meine Welt. Weil niemand nicht nur nicht acht gibt, weil niemand etwas sagt, wenn Vater an mir reisst und mich nach Hause schleift. Weil niemand meine Wut sieht, wenn er mich schlägt, beschimpft und dann zur Schau stellt. Weil niemand merkt und merken will, wie ich mich dabei fühle, wenn ich entwürdigt werde. Dein Vater meint es doch nur gut. Ich sollte immer nur vergessen, wie sie mich klein gemacht hatten, wie sie mich immer nur entwürdigt und erniedrigt hatten für meine Tränen und mein Weinen. Ich sollte meine Tränen immer nur vergessen und mich für meinen Zorn nur schämen. Wovon die Träume wirklich träumen und was sie ausmacht Wovon die Träume träumen. Von Würdigung und Geltung. Was fällt dir ein? Was das für mich bedeutet hat, dass ich doch keiner Menschenseele trauen hatte können. Das haben mir die Träume doch gesagt und dass sie davon träumten, dass ich mir mit den Träumen selber trauen kann, dass ich den eigenen Tränen und der eigenen Wut und schließlich meinem eigenen Zorn vertrauen könnte. Wenn Würde selbst zur Sprache käme, wenn Würde für sich selber sprechen könnte, dann würde sie mir sagen, hab keine Angst. Wenn Würde an sich sprechen kann, dann gibt es nämlich keine Seelenruhe. Dann muss es keine Ruhe geben. Was bildest du dir ein? Es gibt die Seelenruhe nicht, nur Unterdrückung von Gefühlen. Das bildest du dir ein? Gleich kommt der Schwarze Mann! Endlich begreife ich, was mir die Träume doch von Anfang an bedeutet und gesagt haben. Du musst doch keine Angst vor deiner Seele haben. Du musst doch keine Angst vor dir und deiner Seele haben. Was fällt dir ein? Dass ich doch gar nicht schuld daran gewesen bin, dass meine Mutter und mein Vater mich bestraften und entwürdigt haben. Was hast du denn? Was ist nur mit dir los? Endlich muss ich mich nicht mehr schämen für die Entwürdigung, für die Vergehen und Verbrechen meiner Eltern. Endlich muss ich mich nicht mehr schämen für ihr Versagen und ihre Unterlassungsklagen, für ihr Beschimpfen. Was fällt dir ein?! Dieses Gefühl, dass ich mich schämen muss, wenn ich vor meinen Eltern Angst bekomme. Denn das bedeutet doch, gar nicht zu merken, wie mir geschieht und wer dafür verantwortlich gewesen ist. Gar nicht zu merken, dass jemand doch an meinem Leid verantwortlich gewesen ist. Dass meine Mutter und mein Vater schuld gewesen sind, weil sie mich immer nur entwürdigt hatten. Dass meine Eltern schuld gewesen sind, das kann ich endlich sagen. Warum schreist du denn so herum? Das ist nicht meine Schuld, das war nicht einmal Schuld gewesen, sondern nur Wut. Am Leichenschauhaus damals, da war die Angst vor der Entwürdigung. Zurschaustellung. Zur Schau stellen und vorführen. Zurschaustellung und Vorführung. Wie meine Eltern sich und mich vorstellten. Zur Schau stellten mit der Entwürdigung, das kann ich endlich sehen. Was bildest du dir ein? Sie haben mich doch immer nur dafür bestraft, dass sie nicht weiter wussten und nicht weiter konnten. Dass sie nicht weiter gehen konnten. Dass sie nicht weiter denken konnten, dass sie gar kein Gefühl aufbringen hatten können. Da sie gar kein Gefühl mehr bringen konnten. Sie konnten nichts mehr von sich geben, nichts anderes mehr bringen als ihr Versagen und Versagen und die Verachtung. Das bildest du dir ein? Sie konnten nur versagen. Sie konnten gar nichts anderes. Sie konnten doch nur mehr versagen. Sie konnten nur verwehren und verweigern und Nein sagen. Sie konnten nur verneinen und versagen; verachten. Das bildest du dir ein? Sie konnten nur versagen, und ich sollte mir einbilden, ich wäre daran schuld und müsste mich gefälligst schämen. Was fällt dir ein? Wenn meine Hand nicht gleich das machen wollte, was meine Mutter mir vorschlug, und was mein Vater immer wieder sagte. Nimm jetzt gefälligst deine rechte Hand. Was bildest du dir ein. Gib mir jetzt endlich deine rechte Hand. Nimm endlich deine rechte Hand aus deiner Hosentasche. Was bildest du dir ein!? Zurschaustellung vermeintlichen Versagens, des Makels, Linkshänder. Endlich verstehe ich. Ich Kind war kein Versager. Ich war gar kein Versager. Sie konnten nur versagen und andere dafür bestrafen. Zur Schau stellen und bloßstellen, entwürdigen, entwerten und verachten. Was schreist du denn? Was bildest du dir ein? Sie haben immer nur versagt. Was fällt dir ein! Die Träume vom Verpassen aller Züge, Flüge, Abreisezeiten, etc. dass mir was plötzlich fehlt, dass mir was plötzlich abgeht, dass mir alles gestohlen wird, Versagensängste sind das. Nur immer zu versagen, mir meine Wut nur immer zu versagen, wenn jemand mich entwürdigt. Vor was hat dieses Kind so eine Angst? Gleich kommt der Schwarze Mann. Von Anfang an versagen. Mir meine Wut und meinen Zorn nur immer zu versagen. Die Angst davor, geschüttelt zu werden, Versagensangst. Dass ich mir immer dann einbilde, die Mutter kommt und schüttelt mich, wenn ich mir etwas wünsche. Dass ich mir meine Wut nicht leisten kann, sonst werde ich geschüttelt. Dass ich mir meine Wut versagen muss, mir selbst alles versagen muss, sonst werde ich geschüttelt. Endlich begreife ich die Not. Nur immer zu versagen, versagen zu müssen. Endlich begreife ich die Not. Ich konnte nur versagen. Warum ich mich dann so sehr schämte. Ich konnte nur versagen. Ich konnte doch nur aufgeben, kapitulieren und für mich selbst versagen. Ich hatte doch gar keine andere Möglichkeit. Nicht einmal eine andere Wahl. Ich konnte nur versagen, um meine Mutter und den Vater davon abzuhalten, mich noch mehr zu bestrafen. Wenn du nicht gleich still bist, dann kommst du in ein Heim. Halt endlich deinen Mund. Sei endlich still. Versagensangst, die Angst vor der Entwürdigung, dass jemand weggeht. Dass jemand mich nach unten drückt, wenn ich mich wehre, dass jemand mich zerdrückt. Wenn ich mich wehren will. Dass ich mich wehren will. Dass die, die mich als Kind bestraften, die Peiniger gewesen sind. Das bildest du dir doch nur ein! Nur Hinterhältigkeit und Niedertracht waren erlaubt gewesen. Nur blinder Hass, Bösartigkeit, Gemeinheit und Bosheit. Das bildest du dir ein? Gehässigkeit war überall. Die hatte mich erfasst. Weil die Gehässigkeit die Nahrung war, mit der mich meine Eltern fütterten, wenn ich nach Liebe schrie. Was fällt denn dir ein? Die eigene Gehässigkeit. Was bildest du dir ein? Du hast doch alles was du brauchst! Ich habe immer nur Gehässigkeit als Kind geerntet, egal ob mir was fehlte oder nicht, wenn ich mir etwas wünschte oder nicht. Schau mich gefälligst an! So dachte ich, dass Wut verboten sei. Und was für einen Widerwillen, ihre Gemeinheit, Grobheit und Verachtung, in mir heraufbeschworen haben. Sie haben meine Enttäuschung als Undank hingestellt und mich damit zur Schau gestellt. Das bildest du dir ein! Der unterdrückte Hass, der zur Gewohnheit wird und schließlich zur Gemeinheit und Gehässigkeit. Was fällt dir ein? Sie haben mich zur Sau gemacht, zur Schau gestellt, entwürdigt und erniedrigt, um meine Wut nicht an sich ranzulassen. Was fällt dir ein?! Endlich begreife ich, wovor ich so erschrocken bin beim Leichenschauhaus damals, vor meiner eigenen Gehässigkeit, vor meiner eigenen entwürdigenden Art. Was fällt dir ein? Dass doch die Wut entstehen kann, trotz der Zurschaustellung und der Entwürdigung. Dass doch endlich der Zorn entstehen kann und nicht die Angst. Dass die Erlösung von der Schuldigkeit, dass ich doch eine Mitschuld tragen würde am Verhalten meiner Eltern, tatsächlich möglich ist. Was schaust du uns so an? Schau mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede. Endlich begreife ich, wie Mutter mich mit ihren Blicken bloßgestellt hatte. Mit ihrem bloßen Blick schließlich. Endlich begreife ich mein Leid. Ich habe immer nur gedacht, ich müsste mich für ihre Blicke schämen. Ich müsste Schuld dafür an mir erkennen. Ich dürfte und ich könnte ihre Blicke nicht zurückweisen. Ich wär dazu verpflichtet die Blicke zu entschuldigen. Die Blicke, die mich beschämten. Ich müsste Schuld an ihren Blicken sein. Ich habe wirklich immer nur gedacht, ich wäre schuld an ihrem Blick, der mich in Grund und Boden schämen hatte können. Was fällt dir ein!? Wenn mich wer anstarrt, so als müsste ich mich schämen. Dass die Erlösung von dem Schuldgefühl tatsächlich möglich ist, dass ich mich nicht mehr schämen muss, wenn jemand mich bloßstellt. Das bildest du dir ein?! Wir wollten nur dein Bestes. Bedingungslos gehorchen sollte ich. Das bildest du dir ein? Endlich verstehe ich die Reaktion, wenn ich nach Hause kam und meine Mutter sich tot stellte. Wenn ich dem Vater etwas zeigen wollte. Wenn ich mir etwas wünschte. Wenn ich was konnte oder tat. Wenn ich im Kindergarten etwas bastelte. Wenn ich im Sport gut war. Egal was ich auch machte. Endlich begreife ich, sie stellten mich zur Schau für den Gehorsam. Sie waren nie an etwas anderem interessiert. Sie stellten mich nur bloß und machten mich zur Sau und schleiften mich nach Hause, nur zum Gehorsam. Aus keinem anderen Grund. Was schaust du mich so an? Was willst du denn? Was willst du nur von uns? Geh endlich in dein Zimmer. Sei endlich still. Sonst kommt der Schwarze Mann. Sie wollten nur Gehorsam; deswegen war die Wut von Anfang an verboten. Was schaust du uns so an? Gleich kannst du was erleben. Endlich kann ich den Blick ertragen. Sie wollten nur Gehorsam, sie konnten gar nichts anderes von sich geben. Was bildest du dir ein! Sie konnten gar nichts anderes ertragen. Was fällt dir ein?!Der beschuldigte Körper
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